Ein Franchisesystem aufzubauen heißt, einen funktionierenden Betrieb so zu beschreiben, zu rechnen und zu verpacken, dass ein selbständiger Partner ihn unter Ihrer Marke wiederholen kann. Dazu gehören ein Franchise-Konzept mit Gebühren und Gebiet, ein Finanzmodell für den Partnerbetrieb, ein Franchisehandbuch, Schulung, Markenstandards, die Unterlagen für die vorvertragliche Aufklärung und ein Vertrieb, der passende Partner findet. Marketing MIX erarbeitet die geschäftlichen Inhalte und den Vertrieb; den Franchisevertrag formuliert Ihr Anwalt auf Grundlage dieser Inhalte.
Rechtlicher Rahmen in Deutschland, kurz
Deutschland hat kein eigenes Franchisegesetz. Mit der Aufnahme von Vertragsverhandlungen entsteht nach § 311 Abs. 2 BGB ein Schuldverhältnis mit Rücksichtnahmepflichten nach § 241 Abs. 2 BGB. Daraus und aus der obergerichtlichen Rechtsprechung leitet sich die vorvertragliche Aufklärungspflicht des Franchisegebers ab. Wer sie verletzt, haftet aus Verschulden bei Vertragsschluss.
Der Deutsche Franchiseverband (DFV) beschreibt in seiner Richtlinie „Vorvertragliche Aufklärungspflichten“, was das praktisch bedeutet: Die Pflicht beginnt beim ersten Kontakt, der Vertragsverhandlungen vorbereitet, auch über Anzeigen, Informationsmaterial oder einen Messeauftritt. Der Franchisegeber trägt die Beweislast für eine richtige und vollständige Aufklärung. Die Richtlinie empfiehlt, Vertrag und Unterlagen mindestens 10 Tage vor der Unterzeichnung zur Prüfung zu geben und die Informationen schriftlich oder in anderer dokumentierter Form auf Deutsch offenzulegen. Diese Frist ist eine Verbandsempfehlung für Mitglieder; ein Gesetz schreibt sie in Deutschland nicht vor.
Auf EU-Ebene gilt für Wettbewerbsbeschränkungen in Franchiseverträgen die Vertikal-Gruppenfreistellungsverordnung (EU) 2022/720. Sie gilt bis zum 31. Mai 2034 und setzt unter anderem voraus, dass die Marktanteile der Parteien jeweils 30 % nicht übersteigen. Details dazu stehen im Artikel zum Franchisevertrag.
Ist Ihr Betrieb bereit? Kurzer Test
Beantworten Sie die Fragen ehrlich mit Ja oder Nein. Jedes Nein ist eine Aufgabe, die vor dem Verkauf des ersten Franchise erledigt sein sollte.
| Frage | Warum sie zählt |
|---|---|
| Läuft mindestens ein Betrieb mit vollständigen Zahlen über ein Geschäftsjahr? | Die DFV-Richtlinie verlangt eine Kalkulationsgrundlage aus bisherigen Franchise- oder Pilotbetrieben. |
| Funktioniert der Betrieb, wenn Sie zwei Wochen nicht da sind? | Der Partner führt den Betrieb ohne Sie; das System muss das tragen. |
| Ist die Marke beim DPMA oder beim EUIPO eingetragen? | Sie lizenzieren eine Marke; ohne Eintragung ist dieses Recht angreifbar. |
| Bleibt dem Partner nach allen Gebühren ein Unternehmerlohn und ein Gewinn? | Sonst scheitert das System an seinen ersten Partnern. |
| Lässt sich Ihr Wissen aufschreiben und in Wochen schulen? | Know-how, das nur im Kopf existiert, kann der Partner nicht übernehmen. |
| Haben Sie Zeit und Personal für Betreuung? | Laufende Gebühren bezahlen Leistungen der Zentrale. |
Der Europäische Verhaltenskodex für Franchising der European Franchise Federation sieht in Ziffer 2.2 vor, dass ein Franchisegeber sein Konzept im jeweiligen Markt mindestens ein Jahr lang in mindestens einem Pilotbetrieb erfolgreich geführt hat, bevor er das Netz aufbaut. In Ziffer 3.2 verlangt er, dass Angaben zu möglichen Ergebnissen und Erträgen in Werbematerial für Partner objektiv und nicht irreführend sind.
Was zu einem Franchisesystem gehört
| Baustein | Inhalt | Wer liefert |
|---|---|---|
| Franchise-Konzept | Standortformat, Zielgruppe, Gebietsschutz, Eintrittsgebühr, laufende Gebühren, Werbebeitrag, Leistungen der Zentrale | Marketing MIX mit Ihnen |
| Finanzmodell | Investition, Anlaufverluste, Umsatz- und Kostenannahmen, Break-even des Partnerbetriebs, Rechnung der Zentrale | Marketing MIX auf Basis Ihrer Zahlen |
| Franchisehandbuch | Abläufe, Standards, Checklisten, Einkauf, Personal, Kennzahlen | Marketing MIX mit Ihren Führungskräften |
| Schulung | Startschulung, Einarbeitung vor Ort, Prüfungen, laufende Trainings | Marketing MIX mit Ihnen |
| Marken- und Standortstandards | Logo und Gestaltung, Ladenbau oder Fahrzeug, Uniform, lokale Werbung | Marketing MIX |
| Aufklärungsunterlagen | Angaben zum System, zu Pilotbetrieb, Gebühren, Kapitalbedarf und Kennzahlen nach DFV-Richtlinie | Inhalte Marketing MIX, Prüfung Anwalt |
| Franchisevertrag | Rechte, Pflichten, Laufzeit, Gebiet, Wettbewerbsverbot, Beendigung | Anwalt, Inhalte von uns |
| Partnergewinnung | Präsentation, Landingpage für die Partnergewinnung, Anzeigen, Anfrageformular, Auswahlgespräch, CRM | Marketing MIX |
Wie Eintrittsgebühr und laufende Gebühren berechnet werden, beschreibt der Artikel Franchise-Gebühren.
Ablauf der Arbeit
Die Reihenfolge ist in jedem Projekt gleich; die Dauer der einzelnen Schritte hängt davon ab, was bei Ihnen bereits schriftlich vorliegt. Deshalb nennen wir Termine erst im Angebot nach der Analyse.
- Analyse des Betriebs. Zahlen der Standorte, Rolle des Inhabers im Tagesgeschäft, Verträge mit Lieferanten und Vermietern, Markenlage. Ergebnis: eine Liste, was vor dem Verkauf geändert werden muss.
- Markt und Format. Welche Städte oder Länder, welches Standortformat, direkte Partner oder Master-Franchise. Grundlage ist eine Marktanalyse mit Wettbewerbern und Nachfrage.
- Konzept und Finanzmodell. Gebührenmodell, Gebiet, Investition des Partners. Wo Zahlen für einen neuen Markt fehlen, steht das im Modell, und der Pilotstandort liefert sie.
- Handbuch, Schulung, Standards. Wir schreiben auf, was heute im Kopf des Inhabers und der erfahrenen Mitarbeiter steckt, und testen es mit einem Mitarbeiter, der den Betrieb nach Handbuch führt.
- Rechtlicher Teil mit Ihrem Anwalt. Wir übergeben Konzept, Zahlen und Leistungsbeschreibung und gleichen ab, dass Präsentation, Website und Aufklärungsunterlagen dasselbe sagen.
- Vertrieb an Partner. Marketing-Strategie für die Partnergewinnung, Landingpage, Präsentation, Anzeigen, Bewerberfragebogen und CRM.
Fehler, die wir in Projekten finden
- Ertragsversprechen ohne Grundlage. „Amortisation in zwölf Monaten“ auf der Website ist eine Aussage, an der der Franchisegeber gemessen wird. Nach der DFV-Richtlinie müssen Angaben zum Arbeits- und Kapitaleinsatz wahrheitsgemäß sein und auf Erfahrungen bestehender Betriebe beruhen. Im Projekt Fast Coffee haben wir Ertragsversprechen und eine Geld-zurück-Garantie von der Website genommen, die ohne Offenlegungsdokument nach dem Arthur Wishart Act der kanadischen Provinz Ontario nicht haltbar waren.
- Handbuch als Werbebroschüre. Ein Handbuch beschreibt, wie man einen Betrieb führt: Öffnung, Schichtplan, Rezepturen, Reklamationen. Dafür braucht es Checklisten; Bilder und Leitbild gehören in die Markenpräsentation.
- Gebühren ohne Gegenleistung. Wenn die Zentrale nach der Eröffnung kaum erreichbar ist, fragen sich Partner, wofür sie zahlen. Leistungen der Zentrale gehören schriftlich ins Konzept.
- Marke nur im Heimatland geschützt. Für Partner in anderen EU-Ländern ist eine Unionsmarke beim EUIPO oder eine nationale Marke im Zielland nötig.
- Vertrieb vor dem System. Anzeigen für Franchisepartner zu schalten, bevor Handbuch und Zahlen stehen, erzeugt Anfragen, die man nicht ehrlich beantworten kann.
Echte Projekte
Fast Coffee ist eine Marke unserer Gruppe: Self-Service-Kaffeestationen im Raum Ottawa, Kanada. Wir haben die Website mit Franchise-Bereich gebaut und für Betreiber ein Unterlagenpaket erstellt: Businessplan, Präsentation, Unit Economics, FAQ, One-Pager und Anschreiben auf Englisch und Französisch, dazu Lizenzverträge für Standorte in beiden Sprachen. Mehr in der Fallstudie Fast Coffee.
Cookiddoo ist eine Kochschule für Kinder in Kanata (Ottawa), die wir gemeinsam mit der Gründerin von Grund auf gestartet haben. Auf der viersprachigen Website gibt es eine Franchise-Seite für Partner in Kanada mit Start-Playbook, Schulung des Personals, erprobtem Kursprogramm sowie Branding- und Marketingunterstützung. Mehr in der Fallstudie Cookiddoo.
Beide Projekte liegen in Kanada. Für Deutschland und die EU bleibt die Reihenfolge gleich; der rechtliche Teil richtet sich nach dem Land, in dem Sie Partner suchen. Für internationale Partner gibt es die englische Seite Franchise development.
Der Markt in Zahlen
Nach Angaben des Deutschen Franchiseverbands, zitiert von der IHK Hannover mit Stand 12.11.2025, arbeiten in Deutschland rund 860 Franchisesysteme mit fast 150.000 Franchisenehmenden und 830.000 Beschäftigten. Wer Partner sucht, steht also im Wettbewerb mit vielen etablierten Systemen. Klare Zahlen, ein brauchbares Handbuch und eine ehrliche Aufklärung sind die Argumente, mit denen ein neues System gegen sie antritt.
So starten wir
- Bezahlte Beratung, 30 Minuten, 100 €. Wir gehen den Test oben mit Ihnen durch, besprechen Format und Markt und sagen, welche Unterlagen zuerst entstehen sollten.
- Schriftliche Analyse ab 200 €. Wir prüfen Ihre Zahlen, Ihre Präsentation oder Ihre bestehende Franchise-Seite und schicken eine Liste, was vor dem Verkauf zu ändern ist.
Den Preis für den Aufbau des Systems legen wir nach Beratung oder Analyse in einem Angebot mit festem Betrag fest.
Quellen
- § 311 BGB – Rechtsgeschäftliche und rechtsgeschäftsähnliche Schuldverhältnisse (gesetze-im-internet.de)
- § 241 BGB – Pflichten aus dem Schuldverhältnis (gesetze-im-internet.de)
- Richtlinie des Deutschen Franchise-Verbandes e.V. „Vorvertragliche Aufklärungspflichten“ (PDF)
- Verordnung (EU) 2022/720 (Vertikal-GVO), EUR-Lex
- IHK Hannover: Franchise – Orientierung, Verträge, Finanzierung (DFV-Zahlen, Stand 12.11.2025)
- European Franchise Federation – European Code of Ethics for Franchising
- EFF – European Code of Ethics for Franchising, Fassung 2016 (PDF), Ziffern 2.2 und 3.2
- DPMA – Marken anmelden

